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Joerg Gessner

Jörg Gessner Profile et texte

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Künstlerbiographie

Jörg Gessners Lebenslauf als Künstler schlug einen neuen Weg ein, als er während eines dreimonatigen Besuchs in Japan 2006 einer der bedeutendsten Dynastien japanischer Papiermacher begegnete. Daraufhin verbrachte er in jedem Jahr von 2008 bis 2013 drei Monate in Japan mit dem Studium des Papiers und seiner Anwendungen. So widmet sich Jörg Gessner, nach einer reichen Karriere im Textil- und Objektdesign, die insbesondere zu Zusammenarbeiten mit Guerlain und Hermès geführt hatte, nun ausschließlich dem Papier. Von besonderem Interesse für ihn ist die Vielfalt der handgeschöpften Japanischen Papiere und deren perfekte Kenntnis, welche es ihm heute erlaubt, mit ihnen auf experimentellen Wegen ein anspruchsvolles Werk zu schaffen. Geboren 1967 in Deutschland, machte Jörg Gessner eine Schneiderlehre, um sich 1990 in Paris niederzulassen, wo er am Studio Berçot Modedesign studierte. Als er sich während eines einjährigen Aufenthalts in Mailand 1992 auf Textildesign spezialisierte, trat er in sein eigentliches Arbeitsfeld der Verbindung von Form, Material und Licht ein. Heute lebt und arbeitet er in Lyon.

 

"FIAT LUX

Papier. Nichts als Papier. Papiere, sollte man sagen, verwendet Jörg Gessner doch eine eindrucksvolle Anzahl unterschiedlicher Bögen. Doch das sieht man nicht. Er lässt durchblicken, dass er sich zwar in manchen Arbeiten mit einigen zehn Lagen zufrieden gibt, in anderen aber, den größten, bis zu einhundert Lagen heranzieht. Es ist augenscheinlich, dass sie nicht übereinandergelegt, sondern miteinander kombiniert werden. Viel Papier also, doch stets ohne Leim, einfach gespannt.

Wenn Jörg Gessner auch ganz einfach über die Qualitäten von Papier spricht, so wahrt er doch das Geheimnis der Herstellung seiner Werke. Wie die dunkle Seite des Mondes, und dies um so angemessener, als das Hauptsujet seiner Arbeit ja das Licht ist. Viel mehr als die technischen Details ist (ihm) ein Endergebnis wichtig, in dem nicht die kleinste Unvollkommenheit dem vollkommenen Einfangen des Lichts im Wege stehen darf – was lange Vorarbeiten notwendig macht, insbesondere bei der Suche nach den besten Papieren. Jörg Gessner verschweigt nicht diese andere nichtsichtbare Seite, der Reisen, der Begegnungen, des Austauschs, eine wahre Gralssuche, ein Pfadfinden, das zu einem Teil des Werkes wird. Zeit ist in der Tat einer der wesentlichen Bestandteile, untrennbar vom Licht. Die Zeit und das Wetter, beide haben im Französischen dasselbe Wort, le temps, und beide in ihrer Gleichzeitigkeit werden ein jedes Bild unaufhörlich verändern. Auch die Zeit der Erinnerung ließe sich noch hinzufügen, die mit ihrem Prozess das Bild ebenfalls nährt.

Pierre Soulages sagte häufig, dass nicht das Schwarz ihn an seiner Malerei interessiere, sondern die Weise, in der das Schwarz das Licht einfängt und zurückwirft. Er fügte noch hinzu, dass es nicht das Bild sei, das man anschauen möge, sondern das, was vor ihm geschehe, dort, wo das Licht mit dem Schwarz reagiere. Bei Jörg Gessner handelt es sich um das Entgegengesetzte: Zum einen ist es das Weiß, mit dem er spielt, selbst wenn er im Hintergrund Schwarz verwendet, um dem Werk mehr Tiefe zu geben. Zum anderen muss man hier vor allem hereinschauen, in das Herz des Kunstwerks, in dem die Schwingungen, die Empfindungen, die Gefühle pochen. Wo das Herz der Welt schlägt. Denn über alle offenkundige Leidenschaft für das Papier dient es Jörg Gessner auch als Kamera, auch als Schirm, um das Licht – nicht zurückzuwerfen (obwohl …), sondern es einzufangen. Gleich einem Löschblatt bringt das Papier seine Porosität ins Spiel, um das Licht aufzusaugen, es quasi alchemistisch umzuwandeln, es zu kristallisieren, es auf der ganzen Skala der möglichen Nuancen spielen zu lassen, würde man bei einem Musikinstrument sagen. Paper als Vakatseite, verfügbar, aufnahmefähig und bereit, sich von allen Strahlen, und seien es die geringsten, tränken zu lassen, um das Licht in seine Fasern, Fäden und Gespinste einzuleiten, das Licht in Eindrücke umzuwandeln und ihm Zustandsberichte abzuverlangen (und seien es Zustände der Seele). Von nun an ist es nicht mehr möglich, von einem unbeschriebenen Blatt zu sprechen."

Henri-François Debailleux

 

 

Jörg Gessner in "Sciences & art contemporain" (Französisch)

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