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Vergangene Ausstellung

Maibritt Ulvedal Bjelke

05.06.
Vernissage

MUB 2018 exhib text

MUB 2018 exhib text

Die Galerie Pugliese Levi freut sich sehr, eine neue Einzelausstellung von Maibritt Ulvedal Bjelke ankündigen zu dürfen. Die Ausstellung feiert Ulvedal Bjelkes 25-jährige Tätigkeit als Künstlerin. Sie erfolgt in Zusammenarbeit mit der Galerie Maria Lund in Paris, welche eine weitere Einzelausstellung der Dänin im Sommer zeigen wird (5. bis 27. Juli und 29. August bis 8. September).

Zur Vernissage in Berlin – in Anwesenheit der Künstlerin – sind Sie herzlich eingeladen, am Samstag, den 2. Juni, um 18:00 Uhr.

Die Galerie Pugliese Levi freut sich sehr, eine neue Einzelausstellung von Maibritt Ulvedal Bjelke ankündigen zu dürfen. Die Ausstellung feiert Ulvedal Bjelkes 25-jährige Tätigkeit als Künstlerin. Sie erfolgt in Zusammenarbeit mit der Galerie Maria Lund in Paris, welche eine weitere Einzelausstellung der Dänin im Sommer zeigen wird (5. bis 27. Juli und 29. August bis 8. September).

 

Text von Yves Michaud:

25 Jahre Malerei nun schon!

Maibritt Ulvedal Bjelke, die 1967 in Dänemark geboren wurde, kam in den 1990er Jahren nach Paris, um an der École des Beaux-Arts ihr Kunststudium fortzusetzen. Ihre Lehrer waren Pierre Matthey, Jan Voss und schließlich Claude Viallat, drei Künstler, die ihren Schülern ihre eigenen Wege zu finden helfen wussten. Auch gab es lange Aufenthalte bei dem indisch-amerikanischen schamanischen Künstler Joe Ben jr., der Sandmalereien mit reinen Farbpigmenten schuf.

Ich kann nicht alles sagen in diesem kurzen Text.
Da ich das Glück hatte, Maibritt mit ihren allerersten Werken zu entdecken und ihr bis heute zu folgen, und da schon der weite Zeitraum, der zwischen diesen beiden Momenten liegt, vieles sagt, werde ich mich an diese beiden Eckpunkte halten.

Zu Beginn hat Maibritt zugleich am Boden und an der Wand gemalt, sicherlich ein Einfluss von Viallat et Joe Ben jr. Sie verwendete flüssige Acrylfarben, die beim Auftropfen vom Papier aufgesogen wurden und ihm beim Trocknen eine Strukturmusterung verliehen. Sie stellte große Farbflächen gegeneinander. Um die so entstandene Form verblieb oft ein beschmutzter und zertretener Bereich, wo die Künstlerin während der Arbeit gestanden hatte. Sie konzentrierte sich auf intensive, vibrierende Farben, fein aber kompromisslos. Ihre Malerei war athletisch und stark, eine Malerei der Konzentration und Öffnung auf die Materialität der Farbe und ihrer kontrollierten Zufälligkeiten. Es sind die Farben der Farben des Nordens, doch ohne Grisaille noch Melancholie, im Gegenteil eher warm und hell von der Sonne des Sommers.

Maibritt Ulvedal Bjelke hat also in einer sehr alten Inspirationslinie begonnen, die bis zu primitiven Malereien zurückreicht und zugleich aber auch ganz gegenwärtig ist in der Anknüpfung an eine Linie wie jener der Künstlergruppe Supports/Surfaces. In ihrer Arbeit lag Konzentration, eine starke visuelle und spirituelle Präsenz.

25 Jahre später.

Alles scheint sich verändert zu haben, doch die Konsequenz, die Kraft und die Farben herrschen weiterhin souverän.

Keine Strukturmusterflächen von Flüssigfarbe mehr auf dem Papier, dagegen saubere, reduzierte, visuell kompakte und spannungsvolle Oberflächen. Noch immer Drippings, aber so fein, dass sie zu farbigen Linien geworden sind. Keine annaherungsweisen Flächenanordnungen mehr, stattdessen strenge Geometrien, die aus subtilen Permutationen, Rotationen, Symmetrien des Bildes gewonnen werden. Keine Verschmutzungen mehr, sondern ein fehlloses Funkeln der Farben. In den jüngsten Arbeiten dann ergibt das Verweben von sehr schmalen Bändern kolorierter Papiere auf eingerichteten Leinwänden die Wirkung eines überwältigenden Farbkaleidoskops. Nichts als eine enge Verflechtung von Farben, die die kleinen ovalen oder größeren rechteckigen Leinwände vollständig, ohne jede verbleibende Leere, einnehmen. Eine Art Kinetik in der Dimension von Miniaturen, welche plötzlich immens groß werden.

Die kinetische Kunst erfährt seit einigen Jahren, da die Missverständnisse ihres Ursprungs nun überwunden sind, ein neues Interesse. Als sie sich zuerst manifestierte, in den 1960er Jahren, verband sie sich mit dem modernen Leben, den Lichtern der Stadt, der Technik, ein wenig wie kurz zuvor die Pop Art. Sie war eine Art von Futurismus, allerdings, anders als der erste Futurismus, der Gegenwart verbunden. Jedoch war kinetische Kunst anderes und viel mehr: ein malerisches Objekt, das auf die Mechanismen des konzentrierten Blicks einwirkt, Moiréeffekte, versetzte Gitterstrukturen, ein Schwindel des auf sich selbst zurückverwiesenen Blicks. Es war der Theoretiker des künstlerischen Schaffens, Anton Ehrenzweig, Entdecker von Eduardo Paolozzi, Bridget Riley und Alan Davie, der diesen Aspekt der kinetischen Kunst am besten gesehen und verstanden hat, in seinem Buch The Hidden Order of Art (Die verborgene Ordnung der Kunst). Die Moiréeffekte und Vibrationen der kinetischen Prinzipien setzen die unbewussten Mechanismen der Wahrnehmung frei, sie konterkarieren das Prägnante der Bilder und lassen das Träumerische aufsteigen.

Die neueren Gemälde von Maibritt Ulvedal Bjelke rufen diese Wirkung hervor. Sie sind dimensionslos, trotz ihrer kleinen Formate; sie wirken nicht zusammen, sondern müssen einzeln betrachtet werden, gleich Momenten unzähliger Farben, ohne Hintergrund und zeitlos. Sie haben etwas von kolorierten Talismanen – und darin würde man von neuem dem Schamanen Joe Ben jr. begegnen. Sie lassen mich an gewisse Aphorismen eines anderen Schamanen denken, des Kaliforniers Sam Francis, für den der Raum eines Bildes dazu da ist, den Blick des Betrachters zu willkommen zu heißen und anzuziehen.

Aus dem Abstand von 25 Jahren ist es diese sehr wirkliche Magie der Materie der Malerei und der Farben, die Maibritt uns erleben lässt.

 

Yves Michaud

Paris, April 2018

 

Aus dem Französischen: Andreas Müller

MUB 2018 exhib gallery

MUB bio updated 2018

MUB bio

Künstlerbiographie

Maibritt Ulvedal Bjelke wurde 1967 in Kopenhagen geboren. Sie ging in den späten 1980er Jahren von Dänemark aus nach Paris an die École nationale supérieure des Beaux-Arts, wo sie bis 1993 Malerei studierte. Für mehr als 25 Jahre war Paris Heimat und Arbeitsmittelpunkt, bevor sie 2011 nach St Leonards-On-Sea in England zog, wo sie heute lebt und arbeitet. Maibritt Ulvedal Bjelke ist Einladungen in Künstlerresidenzen in vielen Ländern gefolgt, unter anderem 2007 in die Josef und Anni Albers Foundation in Connecticut, USA, und 2009 in das Mark Rothko Foundation Centre in Litauen.

Ihre Werke wurden in zahlreichen Ausstellung in Frankreich (Galerie Maria Lund, Zürcher, Suzanne Tarasiève) — in Dänemark (Galleri Weinberger, Banja Rathnov Galleri & Kunsthandel) — in der Schweiz (Galerie Proarta) und in den den USA (DCA Gallery) gezeigt. 1999 gewann sie einen Preis der Städtischen Galerie Vitry-sur-Seine bei Paris. Ihre Werke sind in wichtigen internationalen Sammlungen vertreten, unter anderem der Josef and Anni Albers Foundation, Mark Rothko Centre, Cerrutti, Giorgio Armani France, General Motors und Copenhagen Art Foundation.

Zu den Einzelausstellungen der letzten Zeit gehörte This Way Up in der Lucy Bell Fine Art Galerie in St Leonards-On-Sea im Frühjahr 2014; im selben Jahr zeigte ihre Pariser Galerie Maria Lund ihre Gemälde auf der Art14 in London. Sie nahm in diesen Jahren an den Gruppenausstellungen Lust & Colours bei Banja Rathnov, Museumsbygningen in Kopenhagen, der vom britischen Künstler Erin Lawlor kuratierten Ausstellung Eclipse der Städtischen Galerie in Moskau und der Ausstellung Here comes the sun in der Galerie Maria Lund in Paris teil.

2017 zeigt Maibritt Ulvedal Bjelke in der Galerie Pugliese Levi ihre Arbeiten erstmalig in Deutschland. Die Einzelausstellung bildete die Eröffnungsausstellung der neuen Galerie in Berlin. 2018 folgen weitere Ausstellungen in der Galerie Pugliese Levi und in der Galerie Maria Lund, Paris. 2019 wird Ulvedal Bjelke ihre Werke im Mark Rothko Art Centre, Daugavpils (Dünaburg), Lettland, präsentieren.